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Hard To Be A Rock’n Roller – Ecorder [at]

5 / 5 - Achtziger Stadionrock im Stile von Def Leppard, Guns´n´Roses, Van Halen, Kiss und Twisted Sister, Pop á la Abba und eine Portion Sweet oder T-Rex. Das sind die Zutaten für ein Meisterwerk!

"Is it real or just a fantasy?", fragen sich Wig Wam schon im Opener "In My Dreams". Wir tun das auch. Was da nämlich ertönt, kann nicht real sein! Aber es ist wahr. Ausgerechnet ein Black-Metal-Label bringt dieses glitzernde Prunkstück von Musik heraus, das von Norwegen aus ganz Europa über den europäischen Songcontest geblendet hat. Wig Wam rocken und rollen, glammen und poppen. Und sie begeistern!  

"Hard To be A Rock´n Roller" geben sie im Titeltrack freimütig zu. Doch welches Leben ist schon leicht? Eben! In diesem Song meinen die Skandinavier dann pointiert, der Rock´n´Roll-Messias zu sein. Okay, sie meinen es nicht ernst, aber ein Körnchen Wahrheit ist nicht von der Hand zu weisen. Mit ihrem Longplayer bringen sie uns allen die Erleuchtung, dass Retro nicht nur angestaubte Garagenmusik bedeutet, sondern durchaus im Scheinwerferlicht prächtig funkeln kann. Ach quatsch, wollen wir mal ehrlich sein. Prächtig funkelnder Retro? Lüge! Wen die ersten beiden Stücke nicht überzeugt haben ... spätestens "Bless The Night" liefert den Beweis: nichts da mit funkeln. Es ist ein Feuerwerk, in dem so wunderbare archaische Textzeilen wie "you want me to stay forever" oder "bless the night is now and ever, you and I close together" explodieren. Dazwischen fürchterlich ehrliche Bemerkungen wie "a broken heart is what I offer". Das sind nun drei verdammt gute Songs, gleich zu Beginn der CD. Ihr Pulver haben die Jungs aber noch lange nicht verschossen. Mit "I Turn To You" zeigen sie, was Mel C mit ihrem Songwriting richtig und mit ihrer Performance falsch gemacht hat. Dann werden Wig Wam mit "Out Of Time" pathetisch oder greifen in der mit Streichern aufgepeppten Ballade "Tell Me Where To Go" nach Regenbögen.

Plakativ sind sie auf jedem ihrer Songs - und ja, ein Klischee jagt das andere. Aber das muss so sein, denn Wig Wam machen zu 110 % das, was ihnen Spaß macht. Wenn ihnen nach einem Instrumentalstück ist, jammen sie sich in "The Drop" und "Erection" weg. Gäbe es einen Klon aus dem jungen Bryan Adams und dem jungen Jon Bon Jovi, so hätte der "No More Living On Lies" geschrieben. Den gibt es nicht, dafür aber Wig Wam. Die musizieren sich herrlich unbekümmert durch ihre CD und finden immer und überall Zeit, den Tracks ihren Humor aufzudrücken. So das Cover "Dschinghis Khan": Nachdem die breite Masse die Norweger erst durch den Songcontest kennen gelernt hat, muss nämlich eine Anspielung auf den Contest her. Der findet sich mit der Verbeugung vor Ralph Siegel, indem sie sein "Dschinghis Khan" covern. Und auch hier ist es so wie beim Mel C-Song, dass Wig Wam es besser machen! Als ob das alles nicht reichen würde, liefern die Skandinavier auch noch Videoclips zu "Bless The Night" und "Hard To Be A Rock´n Roller" auf der CD mit. 

Vergesst Guns´n´Roses. Twisted Sister waren gestern und Van Halen werden auch nicht mehr ihre Reunion packen und Kiss ist nur noch ein Kommerz-Unternehmen und keine Band mehr. Das alles mag vielleicht traurig stimmen, aber wenn die vier norwegischen Poser ihre Gitarren umschnallen und darauf losrocken, dann müssen sich sogar The Darkness warm anziehen.

Review by Milan Knezevic, Ecorder

www.ecorder.at
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